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Hintergrundgeschichten zu den Zitaten


1. Der Moment der höchsten Aufopferung: Klaus Kinkel
Das Zitat: „Nachdenken, Argumentieren, nie Aufgeben – das war sein Lebensmotto.“
Diese Worte beschreiben nicht nur Genschers Arbeitsstil, sondern seine gesamte Existenz. Klaus Kinkel erinnert sich im Buch an den dramatischen 5. September 1972: Das Olympia-Attentat in München.
In einer Zeit, in der Deutschland fassungslos auf den Terror blickte, bewies Genscher eine fast übermenschliche Nervenstärke. Er bot sich den Terroristen persönlich als Ersatzgeisel an, um das Leben der israelischen Sportler zu retten.
Kinkel schildert bewegend, wie Genscher nach den tödlichen Schüssen von Fürstenfeldbruck völlig erschöpft in seinem Sessel zusammenbrach – nur um am nächsten Tag bereits die Gründung der GSG 9 voranzutreiben.
Ein Zeugnis für einen Mann, der auch in tiefster Niederlage sofort wieder nach Lösungen suchte.


2. Vertrauen gegen alle Protokolle: Michail Gorbatschow
Das Zitat: „Er wurde mein Freund.“
In der Ära des Kalten Krieges war es undenkbar, dass zwischen den Außenministern der Weltmächte echte Freundschaften entstanden.
Michail Gorbatschow beschreibt in seinem Beitrag, wie Hans-Dietrich Genscher das Eis brach.
Genscher war kein „harter, funktionierender Deutscher“, sondern ein „Menschenfänger“. Er schaffte es, durch ehrliche Diplomatie und das Verstehen der russischen Perspektive eine Vertrauensbasis zu schaffen, die schließlich den Weg für die deutsche Einheit ebnete.
Dieses Zitat ist das größte Kompliment für Genschers Lebenswerk: Dass aus erbitterten ideologischen Gegnern durch die Kraft des Gesprächs Partner auf Augenhöhe wurden.

3. Der Mensch hinter der Maske: Bernd Schier
Das Zitat: „Er wollte nicht von hinten um die Ecke gucken, sondern immer Herr der Lage sein.“
Bernd Schier war 16 Jahre lang Genschers Schatten – sein Personenschützer. Er gewährt uns einen Blick in den Dienstwagen, der für Genscher ein rollendes Büro war.
Während fast alle anderen Minister aus Sicherheitsgründen hinten saßen, bestand Genscher darauf, vorne beim Fahrer zu sitzen. Schier erklärt uns hier den Kern von Genschers Charakter: Seine unbändige Neugier und sein Kontrollbedürfnis. Er wollte die Welt durch die Windschutzscheibe sehen, Ticker-Meldungen noch vor der Ankunft im Ministerium auswerten und „Herr der Lage“ bleiben.
Es zeigt einen Mann, der keine Sekunde seines Lebens verschenken wollte und die Verantwortung für sein Handeln buchstäblich in die erste Reihe rückte.


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